Das übergeordnete Thema der Konferenz sind die vielfältigen Schnittstellen zwischen digitaler und analoger (physischer) Stadt. In fünf Themenblöcken wollen wir aus verschiedenen Perspektiven (u.a. Soziologie, Design, Kulturarbeit, Architektur und Psychologie/Soziale Arbeit) die Wechselwirkungen zwischen neuen digitalen Services und Lebenswelten und Entwicklungen in der Architektur, Stadtplanung, Quartiersmanagement etc. diskutieren.

Die Konferenz „Stadt der Ströme“ richtet sich an Interessierte aus Wissenschaft, Kultur, Verwaltung, Stadtteilarbeit, Wirtschaft und Politik, die sich mit den digital-analogen Schnittstellen und der Frage nach neuen und adäquaten Formen zivilgesellschaftlichen Engagements in unseren Städten auseinandersetzen.

Die Stadt der Ströme ist an die globalen Netze angeschlossen. Was heißt das eigentlich für unsere Städte von heute? Wie werden die globalen Netze im Alltäglichen sichtbar? Und wie spiegeln sich die begrenzten analogen Räume im potenziell unbegrenzten Raum des Virtuellen wieder?
Ähnlich den Industriegesellschaften, welche die mittelalterlichen Stadtwälle beseitigten, überwinden die Informationsgesellschaften die Ortsgebundenheit. Der binäre Code schafft virtuelle Realitäten und somit Freiräume gegenüber den sozial-räumlichen Bedingtheiten der Orte. Es sind immer weniger notwendige Orte, um bestimmte Funktionen zu erfüllen und Dienstleistungen zu erhalten. Gleichzeitig bleibt der Alltag der Mehrheit der meisten Städter von der Infrastruktur, den räumlichen Qualitäten und Hindernissen bestimmt.

„Die Informationsgesellschaft mit ihrer globalen Ökonomie wird tief in unsere Städte eingreifen“ (Manuel Castells)

Wie kann dieser Eingriff – auch von den Akteuren der analogen Stadt – (mit)gestaltet werden? Wie können dabei auch die unterschiedlichen professionellen Praktiken und Wahrnehmungen – einerseits der digitalen Bohème mit ihren globalen Tagungen und Publikationen, andererseits der kommunalen Fachleute städtischer Institutionen – einander näher kommen und miteinander verknüpft werden?
Ein Mix aus virtuellen und realen Kombinationen wird auf die zunehmend flexiblen und dynamischen Lebensweisen reagieren. Wie dieser aussieht, hängt auch von den Positionen und Haltungen zum Städtischen ab, die sich heute vielfach widersprüchlich zeigen. Wie kann dabei einer Polarisierung zwischen digitalen und analogen Lebenswelten entgegengewirkt werden? Wie werden etwa die digitalen Weltenbummler motiviert, ihre im Netz flottierenden Projekte im „Fleisch und Stein“ (Sennett) der Städte zu verorten? Welche Möglichkeitsräume für die neu entstehenden Lebensweisen lassen sich schaffen? Und durch wen? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Tagung „Stadt der Ströme – Interdisziplinäre Perspektiven auf die digitale Stadt in analogen Räumen“.

 

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I. Datenströme „Mapping the City“
Wie sich die Wahrnehmung der Stadt durch die digitalen Technologien verändert

In einem ersten Schritt werden aktuelle Konzepte, Technologien und Visualisierungen einer modernen “Stadtkartographie” vorgestellt. Die Konzepte umfassen u.a. webbasierte Mapping-Projekte (z. B. Google Mashups), Projekte zur Bürgerbeteiligung und -agitation mit Hilfe ortsbezogener Services (Location-Based Services) sowie künstlerische, intervenierende Arbeiten. Die (kontinuierliche) Kartierung, ästhetische, interaktiv-dynamische Visualisierung und Bereitstellung urbaner Daten(ströme) ist eine wichtige Basis für Diskussions- und Entscheidungsprozesse in der Stadt.

 

II. Lebenswelten
Wie sich die Lebensweisen und die Beteiligung an den öffentlichen Angelegenheiten verändern

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und des ökologischen Stadtumbaus stehen auch die urbanen Lebensweisen zur Diskussion. Verhaltensänderungen sind notwendig und werden in Nachbarschaftsprojekten, integrierten Mobilitätskonzepten, Verbindungen von Wohnen, Arbeit und Freizeit erprobt. Es entstehen neue Verantwortungsgsgemeinschaften, die durch Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützt, gefördert und inspiriert werden. Dabei wird auch das (für die europäische Stadt konstitutive) Verhältnis zwischen öffentlichem und privaten Leben neu justiert.

 

III. Institutionen
»The Informational City«
Wie sich die städtischen Einrichtungen und deren Funktionen ändern

Gebäude und Institutionen prägten bis in die jüngste Zeit die Stadtkultur: Museen Theater, Konzerthäuser, Bibliotheken, Akademien/Hochschulen, Soziokulturelle Zentren, sowie die Paläste, Parks und Kirchen als Zeugnisse des kulturellen Erbes. Die versteinerte Repräsentanz und funktionale Zuständigkeit der überkommenen Institutionen wird in der Informations- und Netzwerkgesellschaft aufgemischt, verworfen oder umgewertet. In der informationellen Stadt reflektieren „alte“ Bildungs- und Kulturinstitutionen wie Bibliotheken besonders deutlich die Strukturänderungen der Digitalen Gesellschaft.

 

IV. Res publica
Wie sich die Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten verändert

Von „oben nach unten“ lässt sich eine Stadt nicht mehr regieren. Vielmehr ist Stadtpolitik von einem komplexen Geflecht von Kompromissen und Kooperationen zwischen Politik/Verwaltung, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Gruppen geprägt. Die geordneten Bürgerbeteiligungen und Verfahren werden immer wieder „gestört“ durch unvorhergesehene Proteste, Bürgerinitiativen und spontane Empörungen. Sie bringen die Abläufe durcheinander und stellen die formalisierte Partizipation in Frage. Die Informations- und Kommunikationstechnologien sind in beiden Fällen wesentliche Träger und Verstärker von Entwicklungen. Tragen sie auch zu Schnittflächen zwischen Empörung und Partizipation bei?

 

V. Interventionen im Stadtraum
Wie soziale Skulpturen die Städte verändern

Die Künstler (zumindest einige) verlassen die Räume der autonomen Kunst, in denen sich Künstler radikal aber ohne direkte Reibung mit den Grenzen der Gegebenheiten äußern können. Die Interventionisten begnügen sich nicht damit. Sie sind Weltverbesserer und Komplizen des guten Lebens und kreieren unbedingte Augenblicken in Stadträumen.