ALT BEWÄHRT UND NEU GEDACHT …

An vielen Stellen in Potsdam finden sich im Moment Aufkleber mit der Aufschrift: „Mietenstopp Jetzt.“ Gemeint ist hiermit die Demonstration, die unter dem Motto „Mietenstopp jetzt!“ am Samstag, den 2. Juni, um 13.00 Uhr in Potsdam stattfindet. Die Mieten steigen schnell und für einen Großteil an Mieterinnen und Mieter sind sie bereits zu hoch. In der ganzen Stadt werden Menschen mit geringerem Einkommen aus ihren Wohnungen und ihrer Nachbarschaft verdrängt. Zwei Demonstrationszüge aus Babelsberg/Zentrum Ost und Potsdam-West kommend, werden sich in der Innenstadt vereinigen und ein deutliches Zeichen gegen steigende Mieten setzten.

Steigende Mieten sind nur ein Aspekt der sich im Wandel befindenden Wohn- und Lebensräume. Lebensräume stellen einen der vier Themenschwerpunkte der anstehenden Tagung „City of Flows“ dar. Die Tagung findet vom 12 bis 14 Juli in Potsdam statt. Sie stellt die Frage nach neuen und adäquaten Formen zivilgesellschaftlichen Engagements in unseren Städten und diskutiert die vielfältigen Schnittstellen zwischen digitaler und analoger (physischer) Stadt.

In Zeiten sich wandelnder Familienstrukturen sehnen sich die Menschen wieder mehr nach Geborgenheit und einer neuen Art von Gemeinschaft. Nach einer Phase des Hyper-Individualismus’ entwickeln die Menschen erneut einen Sinn für Gemeinschaft. Die wachsende Informationsgesellschaft verändert Kommunikationsgewohnheiten; vieles um uns herum wird schnelllebiger, abstrakter und braucht nicht mehr die direkte Interaktion zwischen Menschen. In diesem Zusammenhang gibt es ganz unterschiedliche Konzepte, wie man das Zusammenleben wieder neu gestalten kann. Diese Konzepte tragen im Wesentlichen gewisse Muster in sich, die eigentlich schon Jahrhunderte lang in uns verankert sind und auf neue innovative Weise umgesetzt werden. So beginnen die Menschen, sich z.B. in Mehrgenerationenhäusern wieder mit jung und alt neu zu organisieren. Im Fokus steht hier das gemeinsame voneinander Lernen. Alte und bewährte Wohnkonzepte vermischen sich mit neuen innovativen Gedanken und finden auch digitale Umsetzungen. So entstand z.B. vor einigen Jahren die Plattform Couchsurfing, die ebenfalls darauf abzielt, von einander zu lernen, sich gemeinschaftlich zu organisieren und auszutauschen. Weitere Beispiele sind die Entwicklung der wachsenden Transitiontowns und eine neue Generation von autarken Dörfern. Menschen finden sich hier zusammen, um das Thema Stadt bzw. Gemeinschaft als Lebensraum neu zu konstruieren, alternative Konzepte zu finden, die den Problemen unserer Zeit (Klimawandel, Rohstoffknappheit etc.) entgegenwirken und so für ein harmonisches Miteinander von Mensch und seiner Lebensumwelt zu sorgen. Eine andere Möglichkeit sich von globalen und unüberschaubaren Zusammenhängen und Ereignissen frei zu machen, ist auch die Frage danach, wie man die finanziellen Kreisläufe neu organisieren kann. Hier anzuführen ist unter anderem der Trend des sogenannten Regiogeldes, das auch in Potsdam und Brandenburg durch die sogenannte Havelblüte realisiert wurde. Bereits 105 Unternehmen sind in Potsdam beteiligt, wir berichten bald mehr darüber.

Dieser kurze Text gibt nur einen kleinen Einblick in die sich verändernden Strukturen unserer derzeitigen Lebens- und Wohnsituation. Es gibt sicherlich noch vielerlei weitere Dinge, die sich an dieser Stelle aufführen lassen und die es wert sind weiter vertieft zu werden.

Wenn Sie Anmerkungen zu diesem Thema haben oder eigene Gedanken hier einbringen möchten, sind Sie herzlichst dazu eingeladen.