WIE VERÄNDERN SMARTKONZEPTE UNSERE EINKAUFS- BZW. ERNÄHRUNGSGEWOHNHEITEN?

Anknüpfend an den vorherigen Text über veränderte Wohn- und Lebensraumkonzepte stellt sich nicht nur die Frage nach einer lokalen Gestaltung von Kapitalkreisläufen, sondern ebenfalls die Frage nach regionalen Formen der Ernährung.

In vielen Köpfen schwirrt noch der Gedanke, es gäbe nicht genug Essen auf dieser Welt.

„Essensknappheit!? Falsch gedacht!“ –  Durch systematische Subventionen kommt es zu Überproduktionen, zusätzlich führen Nahrungsmittelspekulationen zu einem wachsenden Ungleichgewicht. Während die einen zu viel vom Kuchen haben, bekommen die anderen zu wenig.
Um Irrwege in der Nahrungsmittelproduktion zu umgehen, streben viele wieder nach lokalen überschaubaren Kreisläufen. Daraus resultieren alternative Konzepte, wie das sogenannte „Urban Gardening“ bzw. Gemeinschaftsgärten. Ein Bespiel hierfür sind die „Prinzessinnengärten“ in Berlin. Unter dem Motto „anders gärtnern in der Stadt“ verwandelten hunderte von Nachbarn und Interessierte 2009 in Berlin-Kreuzberg eine brachliegende Fläche in einen sozialen und ökologischen Nutzgarten und produzieren so nicht nur lokale Lebensmittel, sondern schaffen auch einen neuen Ort urbanen Lebens.

Andere Konzepte, jedoch mit einem ähnlichen Grundgedanken, sind sogenannte solidarische Landwirtschaftsprojekte oder auch „CSA“ (Community Supported Agriculture) genannt.

Verschiedene landwirtschaftliche Betriebe, Höfe oder Gärtnereien schließen sich zusammen mit einer Gruppe von Privathaushalten. Die Höfe werden von den Privathaushalten finanziert: Monetäre Zuschüsse sichern die Lebensmittelproduktion bzw. Ernte sowie die gleichzeitige Abnahme der Erzeugnisse. Somit werden Verantwortung, Risiko, Kosten und Ernte geteilt. Heute startet nun auch in Potsdam ein neues CSA-Projekt mit dem Ökohof Waldgarten Barenthin. Im ersten Erntejahr soll die Ernte einer Teilfläche von 4000m² abgenommen werden. Jeder Teilnehmer übernimmt dabei einen von insgesamt 25 Ernteanteilen zu einem festen Preis von 60 Euro im Monat. Dieses Projekt läuft in Kooperation mit der „Nahrungskette Potsdam“.

Die „Nahrungskette Potsdam“ ist eine „food cooperative“, bzw. ein Zusammenschluss von verschiedenen Personen, die sich dazu entschlossen haben, gemeinsam und zu günstigen Konditionen beim Großhandel und bei regionalen Bauern biologisch erzeugte Produkte einzukaufen. Über die sogenannte „Foodsoft“ kann über das Internet einfach und bequem bestellt werden. Als konkreter Marktplatz dient das „Freiland“, ein soziokulturelles Zentrum in der Innenstadt Potsdams. Die Bestellungen werden dort angeliefert und von den Abnehmern mit nach Hause genommen.

An dieser Stelle findet eine Verknüpfung von digitalem und analogem statt, was eine Reihe von Fragen aufwirft: Welche Rolle spielt hier die digitale Vernetzung?  Wie verändern Smartkonzepte unsere Einkaufs- bzw. Ernährungsgewohnheiten?

Links: Prinzessinnengärten, Urban Gardening, CSA-Projekt, Nahrungskette Potsdam, Freiland