DIE STADT ALS BÜHNE.

Viele Städte in Europa driften auseinander. Fragmentierungen und Binnenspaltungen führen zum Verlust städtischer Integrationskraft. Damit einher geht die partielle Entfremdung der Bewohner und Bewohnerinnen von ihrer Stadt, ihrem urbanen Raum. Intervenierende Aktionen – Performances, Flashmobs, Videospaziergänge, Open-Air-Installationen – rücken die Beziehungen zwischen sozialen, physischen und künstlerisch-medialen Elementen ins Bewusstsein und werfen Fragen auf: Wie bewegen Menschen sich in der Stadt? Wie verhält sich der reale Raum zu virtuellen Räumen?
Interventionen können als Referenzpunkte und Katalysatoren fungieren, durch die Gefühle von Identität und Verbundenheit (zurück-)gegeben werden. Dabei geht es nicht vorrangig um Unterhaltung, sondern um eine Einmischung in städtische Strukturen, die durchaus Verwirrung und heftige Reaktionen hervorrufen darf. Die Reibung, die bei den Aktionen entsteht, ist gewollt und oftmals Teil der Projekte. Es werden bewusst „Fallstricke“ im öffentlichen Raum gelegt, die auf das jeweilige städtische Gefüge aufmerksam machen und die Wahrnehmung des Einzelnen für die städtische Wirklichkeit sensibilisieren sollen. Mit kritischen Denkansätzen und einem Instrumentarium verschiedenster künstlerischer Mittel verlassen Künstler den autonomen Raum der Kunst und fordern zum interdisziplinären Dialog auf. Im Rahmen des Vortrags werden beispielhaft künstlerische Interventionen in der Metropolregion Berlin-Brandenburg dargestellt und analysiert. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst und nach dem Zukunftspotenzial subversiver Strategien und kreativer Vernetzung.

Birgit K. Seemann ist promovierte Historikerin. Ihre Dissertation befasst sich mit kulturpolitischen Aspekten der Museumsentwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1933. Seit 2006 leitet sie den Fachbereich Kultur und Museum der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Sie ist in dieser Funktion für die städtische Kulturförderung und Kulturfinanzierung, die Kultursteuerung der Stadt, das Kulturmarketing, die städtischen Museen und Sammlungen verantwortlich. Auch das Kultur- und Kreativquartier Schiffbauergasse gehört zu ihrem Bereich. Vor ihrem Amtsantritt in Potsdam war sie an Museen in Hamburg, Braunschweig und Hildesheim, an den Universitäten Hamburg, Hildesheim und an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in wissenschaftlicher und administrativer Funktion tätig. Sie publizierte zu Themen aus den Bereichen Museumsentwicklung, Museumsmanagement und Elitenforschung. Ihre neueren Veröffentlichungen beschäftigen sich mit den Chancen kultureller Bildung und kulturpolitischen Themenstellungen, z.B. The Management of Culture as a municipal Strategy, in: Orzechowski, Emil et. al.(Hrsg.), Culture Management, Halbjahresschrift Jg. 3 / Heft 3, Krakau 2010 und Kulturelle Bildung in der Landeshauptstadt Potsdam, in: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (Hrsg.). Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Kulturpolitik, Kulturmanagement und kulturelle Teilhabe.